Autökologie und Vorkommen der Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbyi
LANCESTER, 1880

In den Jahren 1994-1998, meist am Ende des Sommers, waren im Badesee der Halberstädter Kiesseen, Vorkommen der Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbyi zu beobachten.
Süßwasserquallen kommen in unseren Seen sehr selten vor, weil sie an höhere Temperaturen und an eine sauerstoffördernde Strömung gebunden sind. Durchmischte flache Kiesseen sind ideale Biotope für diese, zu den Hohltieren (Coelenterata) gehörenden, Quallen. Craspedacusta sowerbyi ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Süßwasserqualle. Polypen und dazugehörige Quallen sind vermutlich in Unkenntnis der taxonomischen Zusammenhänge separat beschrieben wurden, besitzen also als Besonderheit eigene Namen.
Der etwa 2 mm große, tentakellose Polyp (Microhydra ryderi) ist in der Lage, sich ungeschlechtlich durch Knospung, Querteilung oder Abschnürung stäbchenförmiger Teile (Frusteln) zu vermehren (Stresemann 1970). Kleinkrebse, aber auch Nematoden, Oligochaeten und Rotatorien dienen als Nahrung. Durch Knospung oder Abschnürung von Medusen ist die geschlechtliche Vermehrung, der sich aktiv bewegenden Süßwasserquallen, möglich. Nach der Abgabe der Geschlechtsprodukte entstehen wieder am Boden sitzende Polypen. Die Quallen ruhen meistens am Boden. Steigen aber z.B. bei sonnigem Wetter mit nachschleppenden Tentakeln an die Wasseroberfläche und gleiten zur Nahrungsaufnahme langsam, mit ausgebreiteter Mundöffnung, herabhängendem Velum und emporgerichteten Tentakeln zu Boden. Dabei werden Kleinkrebse, Rotatorien, Protozoen usw. aus dem Wasser gefiltert und aufgenommen (Sterba 1978).
Die Gründe des plötzlichen Massenauftretens dieser Quallen sind weitgehend unbekannt. Korrelationen von meterologischen und limnologischen Ursachen werden vermutet.
Wenn dem Leser ein Vorkommen dieser Süßwasserquallen bekannt ist oder er z.B. beim Baden zufällig darauf stößt, wäre ich über eine Benachrichtigung dankbar.
Für interessante Beobachtungen empfiehlt sich die Mitnahme der Quallen und die Hälterung im Aquarium. Ich konnte bei einer leichten Belüftung des Aquariums Süßwasserquallen über 6 Wochen ohne größeren Aufwand pflegen.
(Quellen: E. Stresemann, Exkursionsfauna - Wirbellose I, 1970; G. Sterba, Lexikon der Aquaristik und Ichthyologie, 1978)
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